Die 3-fache Profit Firmenbewertung ist eine sehr vereinfachte Form der Firmenbewertung und bedeutet: Profit multipliziert mit 3 = Firmenwert.

Grundsätzlich basiert diese Art der Bewertung auf zwei Hauptkomponenten:

  • Wahl der Gewinnkennzahl
  • Wahl des Multiplikators

Gewinnkennzahl wählen

Die Auswahl der richtigen Gewinnkennzahl (z. B. Nettogewinn, EBITDA oder operativer Gewinn) ist ein entscheidender Faktor. Jede dieser Kennzahlen hat ihre eigenen Vor- und Nachteile. Die Branche, das Geschäftsmodell und die finanzielle Struktur sind Faktoren, die die Auswahl der Gewinnkennzahl beeinflussen können.

Gewinnkennzahl abhängig von der Branche

  • Der Nettogewinn ist eine gängige Gewinnkennzahl in vielen Branchen, insbesondere in traditionellen und etablierten Unternehmen. Dies umfasst Branchen wie Einzelhandel, Konsumgüter, Fertigung und Gesundheitswesen. Der Nettogewinn berücksichtigt alle Kosten, einschließlich Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisationen, und bietet einen umfassenden Einblick in die Rentabilität des Unternehmens.
  • Die EBITDA-Kennzahl (EBITDA: Earnings before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization) wird oft in Branchen verwendet, in denen hohe Abschreibungs- und Amortisationskosten sowie hohe Kapitalinvestitionen üblich sind. Dies schließt Branchen wie Technologie, Telekommunikation, Private Equity und Immobilienentwicklung ein. EBITDA wird oft bevorzugt, weil es einen besseren Einblick in die operative Rentabilität des Unternehmens bietet, unabhängig von Finanzierungskosten und Abschreibungen.
  • Der operative Gewinn, auch als Earnings Before Interest and Taxes (EBIT) bezeichnet, wird häufig in vielen Branchen verwendet. Er bietet eine klare Darstellung der Gewinne, bevor Finanzierungskosten (Zinsen) berücksichtigt werden. Der operative Gewinn wird in Branchen wie Automobilherstellung, Luftfahrt und Gastgewerbe geschätzt.

Gewinnkennzahl abhängig vom Geschäftsmodell

  • Kostenstruktur: Das Geschäftsmodell bestimmt, wie die Kosten in einem Unternehmen anfallen. Ein Unternehmen mit einem hohen Anteil an operativen Kosten im Vergleich zu Finanzierungskosten kann sich für den operativen Gewinn (EBIT) als Gewinnkennzahl entscheiden, um die reine operative Rentabilität zu bewerten.
  • Kapitalintensität: Unternehmen, die stark auf Kapitalinvestitionen angewiesen sind, wie z.B. Hersteller, entscheiden sich für das EBITDA, da es die Rentabilität vor Abschreibungen und Amortisationen zeigt und somit die Auswirkungen von Investitionen besser berücksichtigt.
  • Start-ups und wachstumsorientierte Unternehmen: Start-ups und Unternehmen in Wachstumsphasen bevorzugen das EBITDA, da sie oft hohe Investitionen tätigen und der Nettogewinn möglicherweise durch hohe Abschreibungen verzerrt wird. Das EBITDA bietet einen besseren Einblick in die operative Rentabilität und das Wachstumspotenzial.
  • Steuern und rechtliche Aspekte: Die Wahl der Gewinnkennzahl kann auch von steuerlichen Überlegungen und rechtlichen Vorschriften beeinflusst werden. Einige Länder haben spezifische Steuerregelungen, die die Wahl der Gewinnkennzahl beeinflussen.
  • Investorenpräferenzen: Wenn das Unternehmen auf Investoren angewiesen ist, kann die Wahl der Gewinnkennzahl von den Vorlieben und Erwartungen der potenziellen Investoren abhängen. Einige Investoren bevorzugen möglicherweise den Nettogewinn, während andere das EBITDA bevorzugen, um die finanzielle Leistungsfähigkeit besser zu verstehen.
  • Langfristige vs. kurzfristige Sicht: Je nachdem, ob das Unternehmen langfristig oder kurzfristig plant, kann die Gewinnkennzahl variieren. Langfristige Investoren könnten den Nettogewinn bevorzugen, während kurzfristige Investoren das EBITDA für eine kurzfristige Rentabilitätsbewertung verwenden könnten.

Gewinnkennzahl abhängig von der finanziellen Struktur des Unternehmens

Die finanzielle Struktur eines Unternehmens bezieht sich auf die Art und Weise, wie es finanziert ist und wie seine Kapitalstruktur aussieht.

  • Verschuldungsgrad: Der Verschuldungsgrad eines Unternehmens, das heißt das Verhältnis von Fremdkapital zu Eigenkapital, kann die Wahl der Gewinnkennzahl beeinflussen. Unternehmen mit hoher Verschuldung, bei denen die Zinsen einen erheblichen Teil der Kosten ausmachen, sollten das EBITDA bevorzugen, da es die Zinsen ausklammert und eine bessere Vorstellung von der operativen Rentabilität bietet.
  • Abschreibungen und Amortisationen: bei Unternehmen mit erheblichen Abschreibungs- und Amortisationskosten wird der Nettogewinn negativ beeinflusst. In solchen Fällen kann ebenfalls das EBITDA verwendet werden, um die Rentabilität ohne diese Kosten zu bewerten.
  • Eigenkapitalfinanzierung: Unternehmen, die überwiegend durch Eigenkapital finanziert sind, sollten den Nettogewinn bevorzugen, da sie nicht so stark von Zinszahlungen und Steuervergünstigungen für Schulden abhängig sind.

Bereinigungen vornehmen

Der Gewinn muss um aussergewöhnliche oder nicht wiederkehrende Ereignisse bereinigt werden.

Wahl des Multiplikators

Der Multiplikator (typischerweise „3“) wird auf die Gewinnkennzahl angewendet, um den Unternehmenswert zu berechnen. Die folgenden Faktoren können zu einer Abweichung nach oben oder unten führen.

Einfluss der Branche

  • Je nach Branche gibt es unterschiedliche Standards für die Bewertung. Es ist wichtig ist, den Multiplikator mit dem Branchendurchschnitt zu vergleichen.

Risikofaktoren einschätzen

  • Risikobewertung: Identifizieren Sie die spezifischen Risiken, denen Ihr Unternehmen ausgesetzt ist. Dies können wirtschaftliche Risiken, Wettbewerbsrisiken, rechtliche Risiken oder operative Risiken sein.
  • Risikostufe festlegen: Bewerten Sie, wie hoch das Risiko für Ihr Unternehmen ist, auf einer Skala von niedrig bis hoch. Dies kann subjektiv sein, sollte jedoch auf einer gründlichen Analyse basieren.
  • Anpassung des Multiplikators: Je höher das Risiko, desto niedriger sollte der Multiplikator sein. Dies bedeutet, dass Ihr Unternehmen bei höheren Risiken einen niedrigeren Unternehmenswert haben wird.

Wachstumspotenzial

  • Wachstumsprognose: Schätzen Sie das zukünftige Wachstumspotenzial Ihres Unternehmens ab. Dies kann auf historischen Wachstumsraten, Marktanalysen und strategischen Plänen basieren.
  • Langfristige und kurzfristige Betrachtung: Berücksichtigen Sie sowohl langfristiges als auch kurzfristiges Wachstumspotenzial. Langfristiges Wachstum kann den Wert erheblich steigern, während kurzfristige Prognosen für aktuelle Entscheidungen relevant sind.
  • Anpassung des Multiplikators: Je höher das erwartete Wachstum, desto höher kann der Multiplikator sein. Ein Unternehmen mit starkem Wachstumspotenzial wird einen höheren Wert haben.
  • Beispiel: Angenommen, Sie haben ein Unternehmen mit einem Nettogewinn von 500.000 Euro und einen Multiplikator von 3. Wenn Ihr Unternehmen als risikoreicher eingestuft wird, könnten Sie den Multiplikator auf 2,5 senken. Dies ergibt einen Unternehmenswert von 1.250.000 Euro. Wenn Ihr Unternehmen jedoch ein erhebliches Wachstumspotenzial aufweist und Sie dies berücksichtigen, könnten Sie den Multiplikator auf 3,5 erhöhen. Dies ergibt einen Unternehmenswert von 1.750.000 Euro.