Aktuelles Marktumfeld – Oktober 2021

Das aktuelle Marktumfeld hat sich nach Corona wieder deutlich erholt. Tiefpunkt war der Sommer 2020. Je nach Firmengrösse, Land und Branche, sind die erzielten Preise wieder nahe an oder sogar über dem Vorkrisenniveau. Alle unsere Marktdaten zu Umsatz-, EBIT- und EBITDA Multiples finden sie auf unserer Multiple Seite.

Firmenbewertung: Schnelle Orientierungshilfe

Hier finden Sie die richtige Bewertungsmethode für Ihre Situation.

Fall A: Die Firma ist profitabel und stabil

Fall B: Die Firma ist nicht oder nur wenig profitabel

Fall C: Die Firma ist ein Startup oder wächst stark

Auswahl der Methode nach Bewertungsanlass

Schnelle erste Indikation

Firmenkauf & Firmenverkauf

  • Berechnung Unternehmenswert mit einem Methodenmix
  • Bewertung wird durch einen Makler / Steuerberater / M&A Berater ausgeführt (Kostenlose Indikation vor Vertragsabschluss)
  • Verkaufspreis ist marktgetrieben und wird durch bestes Angebot bestimmt

Interne Nachfolge

  • Firma bewerten mit einem Methodenmix
  • Hilfe durch einen neutralen Fachexperten einholen
  • Verkaufspreis wird durch familiäre Aspekte, Verhandlungsstärke oder steuerliche Aspekte definiert
  • Der Verkaufspreis liegt meist tiefer als bei einem externen Verkauf (ø -20%)

Verkauf und Kauf von Minderheitsanteilen

  • Ermittlung des Unternehmenswerts mit einem Methodenmix
  • Verkaufspreis wird durch Verhandlungsstärke bestimmt
  • Externe Käufer zu finden ist schwierig
  • Verkauf oft zu schlechteren Konditionen als Mehrheitsanteile

Steuern, Erbschaft, Schenkungen

Die Top Faktoren für den Unternehmenswert

Angebot & Nachfrage

Es gibt keinen objektiven Firmenwert, wenn man ein Unternehmen verkaufen möchte. Der Kaufpreis wird durch Angebot und Nachfrage bestimmt.

Finanzkennzahlen

Firmen werden aufgrund ihrer zukünftig zu erwartenden Rendite bewertet. Eine Analyse der vergangenen und gegenwärtigen Renditen gibt Aufschluss über eine mögliche zukünftige Entwicklung. Die Renditen werden auf Nachhaltigkeit überprüft. Ausserordentliche Gewinne und Verluste werden herausgerechnet. In welche Richtung zeigt der Trend der Umsätze und Renditen? Können schlechte Jahre erklärt werden?

Vertrauen in den Verkäufer und dessen Unterlagen

Je grösser die Risiken, desto geringer ist der Unternehmenswert. Es dürfen keine Zweifel über die Richtigkeit und Vollständigkeit von Angaben aufkommen. Das vergrössert die Unsicherheit auf Käuferseite unnötig. Es ist wichtig, alle Unterlagen entsprechend vorzubereiten. Diese sollen ein transparentes und fehlerfreies Bild der Firma aufzeigen. Böse Überraschungen müssen unbedingt vermieden werden.

Abhängigkeit der Firma vom Inhaber

Für einen Investor ist eine hohe Abhängigkeit vom Inhaber ein Risiko. Wie läuft die Firma weiter, wenn der aktuelle Inhaber nicht mehr da ist? Wenn nicht mehr auf seine Erfahrung, sein Wissen und seine Beziehungen zu Kunden und Lieferanten zurückgegriffen werden kann?

Marktstellung der Firma

Wie ersetzbar ist die Firma für die Kunden? Wird eine interessante Nische besetzt? Gibt es nachhaltige Wettbewerbsvorteile? Ein klarer Fokus, ein ausgezeichneter Ruf und langjährige Kundenbeziehungen sind schwer zu kopieren.

Risiken

Ein ausgewogener Kundenstamm, ersetzbare Geschäftspartner und geringe Abhängigkeit von einzelnen Mitarbeitern reduzieren das Risiko.

Wachstumsaussichten

Ist das Geschäftsmodell auf Wachstum ausgerichtet? Was sind die Chancen für einen potenziellen Käufer? Gibt es attraktive Skaleneffekte?

Personal

Wie hoch ist die Mitarbeiterfluktuation? Wie hoch ist die Krankenrate? Wie ist die Altersstruktur? Wie gesucht sind die Mitarbeiter auf dem Arbeitsmarkt?

Die 5 häufigsten Fehler bei der Firmenbewertung

Befangenheit

Firmeninhabern fällt es verständlicherweise schwer, ihre eigene Firma objektiv zu betrachten. Die Preiserwartungen sind oft zu hoch. Fragen Sie sich deshalb: Würden Sie das Unternehmen selbst zu diesem Preis kaufen? Könnten Sie mit diesem Betrag nicht eine neue Firma aufbauen? Wie lange würde es dauern, bis ein Käufer den Verkaufspreis in Form von Gewinnen refinanziert hat? Tipp: Niemand möchte 8 Jahre nach dem Firmenverkauf noch im roten Bereich sein.

Kein Marktlohn für den Inhaber

Ein Gewinn ist nur wirklich ein Gewinn, wenn davor alle Mitarbeiter – und dazu gehört der Geschäftsführer! – marktgerecht entlohnt wurden. Alles andere ist eine Verzerrung der Ertragslage, welche zu einer zu hohen Bewertung führt.

Orientierung an Grossfirmen

Der Marktführer in Ihrer Branche wird zum Dreifachen des Umsatz bewertet wird? Amazon war bereits lange Milliarden wert war, bevor es überhaupt nur einen Euro verdiente. Die EBIT Multiples von börsennotierten Firmen sind oft zweistellig. Für Firmen unter 20 Mio. Umsatz sind aber EBIT, bzw. EBITDA Multiples zwischen 3-6 die Regel. Hier finden Sie realistische Bewertungsmultiples für Ihre Firma. Ist Ihre Firma die seltene  Ausnahme? Dann werden Sie das durch regelmässige, unaufgeforderte und konkrete Kaufangebote merken.

„Volles Warenlager“ und „Toller Maschinenpark“

Die meisten Bewertungsmethoden richten sich nach dem Ertrag der Firma. Die Firma wird als Instrument zur Generierung von zukünftigen Gewinnen gesehen. Alles, was benötigt wird, um diese Gewinne in Zukunft generieren zu können, ist bereits berücksichtigt. Dazu gehören Maschinenpark, Warenlager, innovative Produkte etc. Falls diese Dinge nicht für einen höheren Gewinn in der Zukunft sorgen, sind sie aus dieser Sicht wertlos. Viele Inhaber möchten aber zum Beispiel zum Ertragswert der Firma noch das Warenlager hinzurechnen. Das ist bei diesen Methoden nicht angebracht.

„Das Unternehmen hat viel Potenzial“

Fast jedes Unternehmen hat „noch viel Potenzial“. Dies zu nutzen, erfordert viel Unternehmergeist und Ressourcen und sollte daher nur vorsichtig in die Bewertung eingerechnet werden. Wer das volle Potenzial der Firma abschöpfen möchte, sollte dies selber umsetzen und die Firma erst später verkaufen. Niemand glaubt einem Verkäufer, dass die Firma vor dem grossen Gewinnsprung steht. Warum würde er dann genau zu diesem Zeitpunkt verkaufen wollen?

Übersicht: Methoden, um den Wert eines Unternehmens zu berechnen

Lesen Sie dazu auch unsere detailliertere Übersicht über die gängigen Bewertungsmethoden.

Multiplikatormethode: Was zahlt der Markt für ähnliche Firmen?

Für die Bewertung wird auf aktuell erzielte Preise von vergleichbaren Firmen zurückgegriffen. Man betrachtet den Verkaufspreis als  Vielfaches («Multiple», «Multiplikator») einer Basiskennzahl, beispielsweise dem EBIT, dem EBITDA oder dem Umsatz.

Der ermittelte Wert des Unternehmens entspricht dem Wert des Eigenkapitals plus der Finanzschulden (sog. „enterprise value“). Für den Wert des Eigenkapitals werden die Schulden abgezogen. Die Herausforderung bei dieser Methode ist die Verfügbarkeit von Daten. Kaufpreise von kleinen und mittelgrossen Firmen werden nur selten publiziert. Ein Vergleich mit börsenkotierten Firmen ist unbrauchbar, da für kleinere Firmen in der Regel wesentlich tiefere Multiples bezahlt werden. NIMBO publiziert jeden Monat die aktuell beobachteten EBIT-, EBITC und Umsatzmultiples für verschiedene Länder, Firmengrössen und Branchen. Lesen Sie dazu auch die detaillierte Erklärung der einzelnen Multiples inklusive ausführlichem Beispiel.

Einfache Ertragswertmethode: Nachhaltiger Ertrag risikogerecht abgezinst

Die Formel für diese Bewertungsmethode lautet: Firmenwert = Ertrag geteilt durch Kapitalisierungszinssatz. Der Kapitalisierungszinssatz stellt dar, dass diese Erträge erst in der Zukunft liegen und risikobehaftet sind. Die Höhe dieses angenommenen Zinssatzes ist subjektiv. Für kleinere Firmen liegt er im Bereich 10-20%. Kleine Änderungen am Zinssatz haben eine grosse Auswirkung auf den errechneten Firmenwert. Diese Ertragswertmethode wird als „einfach“ bezeichnet, weil man nur einen bereinigten nachhaltigen Gewinn annimmt. Man sieht von einer detaillierten zukünftigen Ertragsentwicklung ab. Natürlich führen dabei nur profitable Firmen zu positiven Bewertungen. Unprofitable Unternehmen anhand dieser Methode zu bewerten, ist sinnlos. Hier finden Sie ausführlichere Informationen zur einfachen Ertragswertmethode inklusive Rechenbeispiel.

Discounted Cashflow Methode (DCF): Die flexible Ertragswertmethode

Diese Bewertungsmethode ist eng verwandt mit der oben beschriebenen einfachen Ertragswertmethode. Der Zinssatz wird dabei einzeln auf die zukünftig anfallenden Geldflüsse („Free Cash Flows“) für die nächsten 5 Jahre angewendet. Für die Zeit danach wird der sogennante Residualwert addiert. Dieser gleicht sehr dem oben beschriebenen einfachen Ertragswert. Die Summe dieser abgezinsten Geldflüsse und dem Residualwert des Unternehmens ergibt den Unternehmenswert. Diese Bewertungsmethode ist sehr flexibel und aus theoretischer Sicht „Best Practice“. Sie ist jedoch noch subjektiver und sensibler als die Ertragswertmethode. Trauen Sie nie einer DCF Bewertung, welche Sie nicht selber beschönigt haben. Hier finden Sie mehr Informationen zur Discounted Cashflow Methode.

Substanzwertmethode: Summe der Vermögenswerte als Untergrenze des Firmenwerts

Man erhält den Substanzwert, indem man zuerst die Werte für das Anlage- und Umlaufvermögen zu Marktpreisen addiert. Dazu gehören Bilanzpositionen materieller und immaterieller Natur. Steuern, Schulden und Verbindlichkeiten werden abgezogen. Stille Reserven werden aufgelöst. Es wird also nüchtern das bewertet, was objektiv vorhanden ist. Ein Käufer ist meistens aber nicht nur an der Substanz des Unternehmens interessiert ist. Er möchte wissen, welchen Gewinn man in der  Zukunft mit dieser Substanz generieren kann. Darum wird diese Bewertungsmethode nur in Kombination mit anderen Methoden angewendet. Ist der Verkaufspreis tiefer als der Substanzwert, würde es für den Unternehmer Sinn machen, die Firma einfach zu liquidieren. Deshalb dient der Substanzwert als Untergrenze für den Firmenwert. Die Substanzwertmethode wird auch angewendet, wenn andere Methoden zu negativen Bewertungen führen. Sie finden dazu hier eine genauere Beschreibung der Substanzwertmethode inklusive Rechenbeispiel.

Methodenmix und Mittelwertmethoden

Die einzelnen Methoden haben Stärken und Schwächen. Es bietet sich darum an, sich nicht nur auf eine Methode zu verlassen. Ein Mix aus verschiedenen Methoden, mehrmals durchgespielt mit variierenden Szenarien, gibt ein Gefühl für die mögliche Bandbreite des Firmenwerts. Bei den Mittelwertmethoden wird oft ein gewichteter Mittelwert aus vereinfachtem Ertragswert und dem Substanzwert genommen. Dazu gehören beispielsweise das Berliner Verfahren, das Wiener Verfahren, die Übergewinn Methode und die Schweizer oder die Praktikermethode.

Bewertungsstandards

Für erbrechtliche und familienrechtliche Auseinandersetzungen haben sich gerichtsfeste Standards etabliert.

IDW S1 Verfahren

In Deutschland wurde das IDW S1 Verfahren vom Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) ausgearbeitet. Es definiert Grundkonzepte, wie einzelne Bewertungsmethoden anzuwenden sind. Meist werden die definierten Prinzipien auf die Ertragswertmethode angewandt. Sie lassen sich aber auch auf andere Methoden überleiten. Das IDW S1 Verfahren unterscheidet sich vom vereinfachten Ertragswertverfahren in vielerlei Hinsicht und ist komplizierter anzuwenden. So ist beispielsweise eine Planrechnung für die nächsten 3 Jahre erforderlich und der Abzinsungsfaktor ist aus mehreren Faktoren jeweils individuell zu berechnen.

Das AWH Verfahren zur Bewertung von Handwerksunternehmen

Dieses Verfahren wurde vom Arbeitskreis der Wert ermittelnden Berater im Handwerk entwickelt. Es beruht auf der Methode des Ertragswerts. Die Grundprinzipien sind stark an das IDW S1 Verfahren angelehnt. Diese werden angepasst, wenn sie für kleine und mittelgrosse Handwerksbetriebe schwer umzusetzen sind.

Wert eines Unternehmens berechnen: Ablauf

1) Bereinigung der Buchhaltungsunterlagen: Die Jahresabschlüsse der letzten 3-5 Jahre werden normalisiert. Ausserordentliche Aufwände und Erträge, nicht betriebsnotwendige Aufwände, stille Reserven und steuerliche Optimierungen werden herausgerechnet. Verstrickungen mit dem Privatleben des Inhabers werden aufgelöst. Falls notwendig, werden Gehälter vom Inhaber oder anderen nahestehenden Personen, die nicht marktgerecht sind, angepasst. Die resultierenden Finanzzahlen sollen möglichst genau die nachhaltige Ertragslage des Unternehmens widerspiegeln, welche auch unter neuer Inhaberschaft realistisch ist.

2) Erstellen von Planzahlen für die nächsten 3-5 Jahre (am besten für verschiedene Szenarien).

3) Bewertung mit den verschiedenen gängigen Bewertungsmethoden unter Berücksichtigung der vorherigen Punkte.

4) Mix der einzelnen Methoden zur Bildung von Mittelwerten und Bandbreiten, auch unter Berücksichtigung verschiedener Szenarien und Annahmen.

Unternehmenswert berechnen Faustformel

Sie möchten wirklich nur ganz grob eine Indikation für den Firmenwert einer kleinen oder mittelgrossen Firma?

  • Faustformel 1: Berechnen Sie den Durchschnitt des EBITs (Gewinn vor Steuern und Zinsen) der letzten drei Jahre. Multiplizieren Sie diesen mit Faktor 4 (tiefer Wert) bis 6 (hoher Wert). Ziehen Sie Schulden der Firma von den Ergebnissen ab. Sie erhalten eine Bandbreite, in der sich Ihr Firmenwert in etwa bewegt.
  • Faustformel 2: Überlegen Sie, in welcher Höhe ein Käufer in den nächsten Jahren Gewinne aus der Firma herausnehmen könnte. Setzen Sie den Preis so, dass er den Kaufpreis innerhalb von 4 bis 7 Jahren wieder amortisieren kann.

Online Firmenwert Rechner

Eine Online Firmenbewertung kann eine gute erste Indikation für einen möglichen Verkaufspreis liefern. Für eine definitive Preisbestimmung sollte jedoch immer ein Fachexperte beigezogen werden.

Merkmale einer guten Online Firmenbewertung

  • Systematische Führung durch einen strukturierten Fragebogen
  • Für Laien verständlich
  • Kann die häufigsten Bereinigungen der Finanzzahlen vornehmen
  • Beruht auf aktuelle Marktdaten
  • Berücksichtigt unterschiedliche Branchen
  • Berücksichtigt unterschiedliche Firmengrössen (Eine Firma mit 5 Mitarbeitern wird anders bewertet als eine mit 50 Mitarbeitern)

Natürlich weisen wir Sie an dieser Stelle gerne auf unsere eigene Online Firmenbewertung hin.

Online Firmenbewertungen eignen sich nicht für eine Erstindikation bei…

  • … Startups
  • … schnell wachsenden Firmen
  • … Firmen mit Verlusten oder sehr geringer Profitabilität

Achtung vor Marketing Tricks!

Viele Online Rechner haben nur ein Ziel: Leads für Firmenverkäufe zu generieren. Sie suggerieren, dass man nach dem Fragebogen eine automatische Auswertung erhält. Am Ende kommt dann die Überraschung: Man muss seine Kontaktdaten eingeben und ein „Fachexperte“ (Verkäufer) wird sich per Telefon melden.

Firmenwert kurzfristig maximieren („Braut hübsch machen“)

Vor dem Verkauf kann einiges getan werden, um Unsicherheiten zu reduzieren und die Stärken des Unternehmens hervorzuheben. Dies maximiert Verkaufspreis.

Wissen verteilen, Prozesse dokumentieren, Stellvertretungen definieren

Damit kann der mögliche Schaden minimiert werden, wenn ein wichtiger Mitarbeiter ausfällt oder die Firma verlässt. Das vermindert eine grosse Sorge eines möglichen Käufers.

Kunden- und Lieferantenbeziehungen sicherstellen

Ein Käufer wird die Sorge haben, wichtige Kunden- oder Lieferantenbeziehungen nach dem Weggang des Inhabers zu verlieren.

  • Wichtige Beziehungen auf Mitarbeiter übertragen, welche voraussichtlich in der Firma bleiben.
  • Falls möglich, Kundenbeziehungen durch Dienstleistungsvereinbarungen und Loyalitätsprogramme absichern.
  • Identifizierung von Alternativen für wichtige Lieferanten, um das Risiko für Ausfälle und Preiserhöhungen abzufedern.

Optimierung des Forderungsmanagements

Verringern Sie das gebundene Kapital im Umlaufvermögen. Damit steigern Sie direkt den Firmenwert. Kürzere Zahlungsziele für Kunden und ein konsequentes Mahnwesen sollten geprüft werden.

Jahresbilanzen vorbereiten

Die Jahresabschlüsse der letzten 5 Jahre müssen transparent und einfach verständlich aufbereitet sein. Umsatzschwankungen, Gewinneinbrüche, auffällige Kostensprünge etc. müssen auf Nachfrage schlüssig erklärbar sein. Das schafft Vertrauen und erhöht die Planungssicherheit.

Namhafte Referenzen dokumentieren

Holen Sie sich Referenzen von namhaften und zufriedenen Kunden und fügen Sie diese in die Verkaufsunterlagen ein.

Überzeugende Formulierung der Marktvorteile

Was machen die Produkte oder Dienstleistungen einzigartig auf dem Markt? Was ist schwer kopierbar für die Konkurrenz? Fokussieren Sie sich auf das Wichtige und bringen Sie es auf den Punkt. Fügen Sie die formulierten Vorteile in die Verkaufsunterlagen ein.

Plausiblen Wachstumsplan erstellen

Identifizieren Sie realistische und konkrete Potenziale für weiteres Wachstum und Effizienzsteigerung und wie diese realisiert werden können. Bereiten Sie sich zudem auf die Frage vor, warum Sie diese nicht bereits selbst umgesetzt haben.

Weiteren Informationsbedarf des Käufers antizipieren und vorbereiten

Je grösser die Unsicherheiten und Zweifel des Käufers, desto geringer der Kaufpreis. Schaffen Sie Vertrauen mit gut dokumentierten, klaren, vollständigen Antworten auf antizipierte Fragen.

Ungeregelte Mitarbeiteransprüche klären

Klären und dokumentieren Sie alle Ansprüche auf Boni, Ferien, in Aussicht gestellte Lohnerhöhungen etc. Negative Überraschungen für den Verkäufer sind zu vermeiden.

Betriebsräumlichkeiten sichern

Erhöhen Sie die Planungssicherheit, indem Sie Mietverhältnisse für Ihre Räumlichkeiten langfristig absichern, wenn nötig mit Neuverhandlungen mit dem Vermieter.

Innerbetriebliche Konflikte klären

Streitereien sollten geklärt und schlechte Stimmung im Team verbessert werden. Der Verkaufsprozess und die Übergangsphase sind anspruchsvoll und der Inhaber ist auf die Unterstützung der Mitarbeiter angewiesen.

Betriebsräumlichkeiten vorbereiten

Das Auge bewertet mit:

  • Reinigung der Räumlichkeiten
  • Durchführung fälliger Renovationen
  • Erfüllung gesetzlicher Anforderungen sicherstellen
  • Verkauf oder Entsorgung von überflüssigen Maschinen und Inventar
  • Bereinigung des Warenlagers

Aktualisieren Sie die Firmenwebsite

Vermeiden Sie einen veralteten oder unprofessionellsen Internetauftritt.

Bewertung von Startups

Startups zu bewerten ist noch subjektiver als die Bewertung von etablierten Firmen. Man bewertet ausschliesslich ein Versprechen für die Zukunft.

Wichtige Begriffe: Pre-Money vs Post-Money Bewertung

Wenn ein Startup eine Finanzierungsrunde abschliesst, fliesst Geld auf das Bankkonto des Startups. Der Wert der Firma steigt somit  um diesen Geldbetrag. Es ist deshalb wichtig, dass bei einer Bewertung klar ist, ob man von einer „Pre-Money“ Bewertung (Wert vor der Finanzierungsrunde) oder „Post-Money“ Bewertung (Wert nach der Finanzierungsrunde) spricht.

Erwartete Rendite von Investoren für Startups

Startups sind riskante Investitionen. Darum erwarten Investoren eine hohe Rendite. Je früher die Finanzierungsphase, desto grösser ist das Risiko und somit die erwartete Rendite. Die erwartete Rendite braucht man für die DCF- und VC Methode.

FinanzierungsphaseErwartete Rendite / DiskontsatzErwarteter Payback in 5 Jahren
1 Seed Stage (Gründung)70-90%20x
2 Start-up Stage (vor Markteinführung)50-70%10x
3 First Stage (Gelungener Markteintritt)40-60%8x
4 Second Stage (Expansion)35-50%6x
5 Later Stage (positiver Cash Flow)30-40%5x

Quelle: Venture Valuation, Vortrag_IF-Unternehmensbewertung_2012.pdf, Folie 29

Discounted Cashflow Methode für Startups (DCF)

Die oben beschriebene DCF Methode kann auf Businesspläne von Startups angewendet werden. Der verwendete Diskontsatz wird dafür von der erwarteten Rendite der Investoren abgeleitet (siehe Tabelle oben).

Venture Capital Methode (VC-Methode)

Diese Methode ist einfacher als die DCF Methode. Man nutzt die simple Multiplikator-Methode. Diese eignet sich eigentlich nur für etablierte, profitable Firmen. Denn wenn die Firma noch keinen Gewinn macht, gibt es nichts zu multiplizieren. Darum stellt man sich in einem ersten Schritt vor, dass alles genau so läuft wie im Businessplan. Die Multiplikator Methode wird dann auf die projizierten Zahlen in beispielsweise in 5 Jahren angewendet. Das ergibt dann den erhofften Wert in 5 Jahren. Ob dieses Szenario genau so eintritt, ist natürlich sehr ungewiss. Der zukünftige Wert wird deshalb mit den Renditeerwartungen der Investoren (siehe Tabelle oben) in die Gegenwart zurückgerechnet.

Beispiel: Ein Startup (First Stage) erwartet in 5 Jahren den Exit. Der erwartete Gewinn in 5 Jahren ist 1 Mio. Gemäss Multiplikator Methode wäre die Firma dann 6 Mio. wert. Die Investoren erwarten eine jährliche Rendite von 40%. Der Wert der Firma muss sich also jedes Jahr um 40% erhöhen. Es muss mit folgender Rechnung zurückgerechnet werden: 6.0 Mio. / (1 + 40%) ^ 5 = 1.1 Mio. Die Firma erhält somit eine Post-Money Bewertung von 1.1 Mio.

Glossar: Wichtige Begriffe in der Unternehmensbewertung

DCF

Steht für „Discounted Cash Flow“. Das DCF Verfahren ist eine häufig verwendete Bewertungsmethode.

Derivativer Firmenwert

Der derivative Firmenwert ist die Differenz zwischen dem tatsächlichen Kaufpreis einer Firma und dem eigentlichen Substanzwert. Der Wert wird in der Buchhaltung eines Unternehmens abgebildet, welches ein anderes Unternehmen gekauft hat. Es entspricht aus buchhalterischer Sicht dem „Goodwill“ und dem „Firmenwert“. Kommt der Wert nicht durch einen Kaufpreis zustande sondern ist geschätzt, spricht man vom „originären Firmenwert“.

Enterprise Value

Der Gesamtwert der Firma aus Sicht der Eigenkapital- und Fremdkapitalgeber. Im Gegensatz zum Equity Value wird das Fremdkapital nicht abgezogen. Der Wert erlaubt einen Vergleich zwischen Firmen mit verschiedenen Kapitalstrukturen.


Equity Value

Der Wert aus Sicht der Eigenkapitalgeber. Der Equity Value entspricht dem Enterprise Value minus Fremdkapital plus Bargeldreserven.

Firmenwert

In der Praxis wird dieser Wert oft gleichgesetzt mit dem Gesamtwert der Firma. Aus buchhalterischer Sicht spricht man beim „Firmenwert“ nur von dem Teil, welcher bei einem Verkauf über den Substanzwert (siehe „Substanzwert“) hinausgeht. Gleichbedeutend mit „Goodwill“ und „derivativem Firmenwert“.

Goodwill

Siehe „Derivativer Firmenwert“.

Immaterielle Werte

Immaterielle Güter sind Vermögensgegenstände, die in der Bilanz eines Unternehmens aufgeführt werden, die aber nicht körperlich,  greifbar sind. Dazu gehören beispielsweise Patente, Marken und Lizenzen. Die Summe bildet den immateriellen Wert des Unternehmens.

Materieller Wert

Physisch greifbare Vermögensgegenstände wie zum Beispiel Maschinen und Warenvorräte.

Originärer Firmenwert

Der originäre Firmenwert ist die Differenz zwischen dem selbst geschätzten totalen Firmenwert und dem Substanzwert. Er lässt sich in der Buchhaltung nicht abbilden. Im Gegensatz zum derivativen Firmenwert wird der Wert nicht aus einem tatsächlichen Verkaufspreis abgeleitet sondern ist geschätzt. Er darf deshalb auch nicht bilanziert werden.

Pre Money Valuation

Bezieht sich auf den Wert eines Start ups vor Aufnahme einer zusätzlichen Finanzierungsrunde.

Post Money Valuation

Bezieht sich auf den Wert eines Start ups, nachdem neues Geld in das Unternehmen eingeflossen ist.

Substanzwert

Siehe Substanzwertmethode.