Checkliste für eine Due Diligence beim Firmenverkauf
Bevor ein Unternehmen verkauft wird, möchten Käufer ganz genau wissen, worauf sie sich einlassen. Diese Checkliste gibt einen umfassenden Überblick über alle Unterlagen und Informationen, die bei einer Due Diligence geprüft werden – rechtlich, finanziell, geschäftlich und technologisch.
Die Liste erscheint erschreckend lang. Bereiten Sie die Unterlagen frühzeitig auf. Eine strukturierte Due Diligence erhöht nicht nur die Verkaufschancen, sondern auch den Verkaufspreis – durch Transparenz, Vertrauen und minimiertes Risiko für den Käufer.
Mit dieser Checkliste behalten Sie den Überblick und sorgen dafür, dass Ihr Unternehmen prüfbereit ist – klar, vollständig und überzeugend.
Rechtliche Due Diligence
Gesellschaft und Struktur
- Aktueller Handelsregisterauszug
- Gesellschaftsvertrag und Satzung
- Gesellschafterliste mit Beteiligungsquoten
- Organigramm des Unternehmens
- Geschäftsordnung der Geschäftsführung
- Protokolle der Gesellschafterversammlungen / Geschäftsführungsmeetings
- Verträge zwischen Gesellschaft und Gesellschaftern
- Mitarbeiterbeteiligungsmodelle (bestehend/geplant)
Verträge & Beteiligungen
- Wichtige Verträge (Kunden, Lieferanten, Vertriebspartner)
- Joint Ventures, Kooperationsvereinbarungen
- Übersicht über Beteiligungen an anderen Unternehmen
- Verpflichtungen zur Kapitalerhöhung
- Atypische Verträge mit Haftungsrisiken oder außerhalb des gewöhnlichen Geschäfts
- Übersicht über Gewährleistungen und sonstige Haftungen
Verbindlichkeiten & Finanzierungen
- Übersicht aller wesentlichen Verbindlichkeiten inkl. Kredite, Leasing, Bürgschaften
- Bankkonten inkl. Salden
- Off-Balance-Verbindlichkeiten mit wesentlicher Auswirkung
- Währungsmanagement
Arbeitsrecht & Personal
- Musterarbeitsverträge und Leistungsstruktur
- Geschäftsführerverträge
- Boni, Tantiemen, variable Vergütungen
- Altersvorsorge und Sozialleistungen
- Betriebsvereinbarungen, Tarifverträge
- Personalabbaupläne (falls vorhanden)
- Arbeitsrechtliche Streitigkeiten der letzten 3 Jahre
Rechtsstreitigkeiten & Behörden
- Laufende oder drohende Rechtsstreitigkeiten
- Verfahren gegen Organe oder Mitarbeiter
- Auseinandersetzungen mit Behörden (z. B. Steuer, Umwelt)
- Risiken durch Gesetzesverstöße
Steuern
- Steuererklärungen und -bescheide der letzten 3 Jahre
- Berichte vergangener Betriebsprüfungen
Schutzrechte & F&E
- Übersicht über Marken, Patente, Lizenzen (inkl. Schutzdauer & Bedeutung)
- Laufende F&E-Projekte inkl. Erfolgsaussichten und Kosten
Immobilien & Mietverhältnisse
- Eigentum & Standorte mit strategischer Bedeutung
- Wichtige Miet-, Pacht- oder Leasingverträge
Umwelt & Nachhaltigkeit
- Umweltlasten, Gutachten, Studien (Luft, Boden, Wasser)
- Auflagen, Beanstandungen durch Umweltbehörden
Versicherungen
- Wesentliche Versicherungen (z. B. Betriebshaftpflicht, Sachversicherungen)
- Nicht versicherte Risiken
- Schadensfälle > 50.000 € in den letzten 3 Jahren
Weitere Unterlagen
- Relevante Genehmigungen und gewerberechtliche Auflagen
- ISO-Zertifikate
- Interne Berichte und Analysen
Finanzielle Due Diligence
- Jahresabschlüsse, Lageberichte und Prüfungsberichte der letzten Jahre
- Aktueller Investitionsplan
- Kalkulationsschema zur Preisbildung
- Inventarliste des Sachanlagevermögens mit Bewertungen
- Übersicht über Kreditlinien und deren Auslastung
Liquiditätsreserve („Cash Buffer Days“)
Ein Punkt, den Käufer im Rahmen der Financial Due Diligence häufig genauer betrachten, ist die vorhandene Liquiditätsreserve – oft als Cash Buffer Days bezeichnet. Dieser Kennwert zeigt, wie viele Tage ein Unternehmen seine laufenden Kosten allein aus bestehenden liquiden Mitteln decken kann. Ein ausreichender Puffer signalisiert Resilienz: Das Unternehmen kann vorübergehende Auftragsflauten, Zahlungsverzögerungen oder unerwartete Kostensteigerungen besser abfedern, ohne sofort auf externe Finanzierung angewiesen zu sein. Die Berechnung ist einfach:
• Tagesausgaben = jährliche Auszahlungen / 365
• Cash Buffer Days = liquide Mittel / Tagesausgaben
Als Orientierung gelten in vielen Branchen 30–90 Cash Buffer Days als solide, während kapitalintensive oder stark zyklische Branchen (z. B. Industrie, Logistik, Bau) eher 90–180 Tage anstreben. Dienstleistungs- und Softwareunternehmen kommen oft mit geringeren Puffern aus, weil ihre Fixkostenstruktur niedriger ist. Unterschiede zwischen Ländern entstehen vor allem durch verschiedene Zahlungsziele, Finanzierungskultur und staatliche Sicherungssysteme – so arbeiten etwa Unternehmen in den USA und UK oft mit geringeren Puffern als Firmen im DACH-Raum (Deutschland/Österreich/Schweiz), wo traditionell höhere Liquidität gehalten wird.
Geschäfts Due Diligence
I. Geschäftsmodell & Markt
- Beschreibung des Produkt- / Dienstleistungsangebots
- Übertragbarkeit auf andere Märkte (z. B. Internationalisierung)
- Liste der wichtigsten Lieferanten
II. Markt & Wettbewerb
- Übersicht der Hauptwettbewerber
- Wettbewerbsvorteile des Unternehmens
- Marktvolumen & Trends
III. Vertrieb & Kunden
- Wesentliche Vertriebskanäle und -strukturen
- Kundenliste und aktuelle Akquisitionsvorhaben
- Umsatzplanung – Realisierbarkeit im Vergleich zum Wettbewerb
IV. Organisation & Team
- Organigramm mit Rollenbeschreibung
- Qualifikation und Schlüsselpositionen im Team
Technologische Due Diligence
- Verwendete Technologien und Schutzrechte (Patente, Designs, Software)
- Innovationsgrad & Technologievorsprung
- Sicherheitskonzept (z. B. IT, Datenschutz)
- Skalierbarkeit von Systemen & Prozessen
- F&E-Aktivitäten
